„PISA-Schock: Wie gelingen Integration und Bildungsgerechtigkeit?“

Veröffentlicht am 04.02.2024 in Aktuelles

„Es gab schon wieder den großen PISA-Schock“, begrüßte Matthias Eckmann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und Gemeinderat, die zahlreichen Gäste beim Salon Rouge Mitte Januar. Zu diesem Thema hatte der Ortsverein Dr. Defne Erzene-Bürgin eingeladen. Sie ist studiert Soziologin und arbeitet als Programmdirektorin an der Zeppelin Universität. Ihre Forschungsthemen sind unter anderem Migration, Integration, Diversität und Gender Studies.

 

Sie erklärte zu Beginn, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über die Internationale Schulleistungsstudie (PISA) die Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften evaluiert. Dies gibt Aufschluss, wie gut die Bildungssysteme, die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, Alltagsprobleme zu bewältigen und künftige Erfolge zu erzielen. In Deutschland fielen 2022 die Durchschnittsergebnisse schwächer aus als 2018. Sie lagen in den Bereichen Mathematik und Lesekompetenz nahe am OECD-Durchschnitt und in Naturwissenschaften darüber. Dabei sind geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede zu erkennen. „Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund betrug 26 Prozent in Deutschland im Jahr 2022. Im Vergleich zu 2012 lag er bei 13 Prozent“, erklärte Dr. Erzene-Bürgin. 25 Prozent aller Schülerinnen und Schüler würden als sozioökonomisch benachteiligt gelten. Unter denjenigen mit Migrationshintergrund läge der entsprechende Anteil bei 42 Prozent.

„Das schlechtere Abschneiden kommt von einem Mangel an Lehrkräften“, sagte die Expertin. Im Vergleich zu Ländern, die besser abschnitten, seien wichtige Erkenntnisse zu ziehen. „Die frühkindliche Förderung und Erziehung sowie Vorschulen sind die Basis, es gibt eine viel spätere Trennung nach Leistungsstufen sowie ein großes Vertrauen in Lehrkräfte und Schulen“, zählte Dr. Erzene-Bürgin auf. Insbesondere die frühkindliche Förderung und Erziehung würde die Integration von Müttern in den Arbeitsmarkt erleichtern.

Jede vierte Person in Deutschlands habe einen Migrationshintergrund. „Dazu zählen Personen, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Fast 40 Prozent aller Menschen mit Migrationshintergrund sind in Deutschland geboren“, sagte Dr. Erzene-Bürgin. 2022 hätten fast 42 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund. Strukturelle Hürden erschwerten Familien mit Migrationshintergrund den Krippenbesuch. Rund 33 Prozent der Kinder, deren beider Eltern einen Migrationshintergrund haben, besuchten ein Gymnasium. Im Vergleich seien rund 44 Prozent Kinder, deren beider Eltern kein Migrationshintergrund haben. Auffällig sei, dass Kinder ärmerer Eltern deutlich seltener auf ein Gymnasium gehen würden. „Bildung ist der Schlüssel für Integration und gesellschaftliche Teilhabe“, zog Dr. Erzene-Bürgin ihr Fazit.

In der anschließenden Diskussionsrunde äußerte sich Nina Caesar-Selimovic, Vorsitzende des Ortsvereins Kluftern, dass die Diskriminierung eher in Hinblick auf ärmere Familien stattfände. „Die Lösung ist die Ganztagesschule mit mehr Chancengleichheit“. Dem stimmten mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu. „Die Gemeinschaftsschulen sind ein kleiner Beginn. Jedoch reduziert die Landesregierung die Ressourcen“, meldete sich Kai Nopper, Schulleiter der Gemeinschaftsschule Schreienesch. Die doppelte Staatsangehörigkeit sei dringend notwendig, sind sich alle einig, insbesondere in Hinblick auf den Fachkräftemangel.

„In der Bildung wird kaum über Migrantinnen gesprochen, sie sind unsichtbar. Solange die Kinder nicht betreut werden, können die Frauen nicht einmal Sprachkurse besuchen“, sagte Dr. Erzene-Bürgin. Hier meldete sich Laura Straub, Vorsitzende des Ortsvereins Friedrichshafen: „Der Erfolg der anderen Länder aus der PISA-Studie zeigt, wie wichtig die Förderung bereits im Kleinkindalter ist. Ein Umdenken bei uns ist dringend notwendig.“ Eine Teilnehmerin sagte, dass Migration nicht die Aufgabe der Verwaltung und der Regierung sei, sondern der Gesellschaft. Dabei seien die Kinder die Chance und Hoffnung und es müsse alles darangesetzt werden, dass sie als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft anerkannt werden. Matthias Eckmann beendete den interessanten Abend mit den Worten: „Es ist Blödsinn, Millionen von Menschen mit Migrationshintergrund vertreiben zu wollen. Im Gegenteil – gelingende Integration ist wichtig für uns alle.“

 

i: Der „Salon Rouge“ ist eine Diskussionsrunde des Ortsvereins der SPD Friedrichshafen zu aktuellen Themen. Der nächste Salon Rouge ist am 20.02.2024 zum Thema Gesundheit. Die Veranstaltung findet im Café des GPZ (Paulinenstraße 12) statt. Weitere Informationen unter spd-friedrichshafen.de

 
 

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