Die Lust am Widerstand

Veröffentlicht am 22.05.2020 in Aktuelles

Die Stolpersteine strahlen wieder.

Während Eltern darauf warten, wie die Landesregierung die Pläne für die Öffnung von Kitas von Schulen gestaltet, während Firmenchefs sich durch Formulare zur Beantragung von Soforthilfe und Kurzarbeitergeld wälzen, während Intensivkrankenschwestern langsam wieder durchatmen können, während sich Angehörige und Altenheimbewohner darüber freuen, dass Besuche wieder möglich sind, haben Andere die Lust am Widerstand entdeckt: Sie demonstrieren gegen die Einschränkungen der Grundrechte durch die Corona-Verordnung gemäß dem Infektionsschutzgesetz.

Betrachtet man die Bilder dieser Kundgebungen, dann fragt man sich schon, ob diese Proteste gerechtfertigt sind. Um nicht sofort als Schlafschaf verschrien zu werden, zunächst Eigenrecherche vor Ort auf der Homepage „Demokratischer Widerstand in Überlingen“. Die Eingangsseite zeigt doch zumindest ein Mindestmaß an Anteilnahme an dem Schicksal der Erkrankten und der Verstorbenen auf Grund einer COVID-19-Infektion. So weit, so gut. Doch schaut man sich weiter um, so landet man bei dem Hinweis auf die doch mittlerweile umstrittene Neupartei (?) Widerstand 2020, und nicht zuletzt wird Corona dann auch noch als COVID-19 Kasperletheater bezeichnet.

Viel weiter möchte man sich nicht in die Niederungen der weiteren Demonstrationsaufrufe begeben, denn was dann noch auf einen wartet, sind nicht Verschwörungstheoretiker, sondern eher Märchenerzähler. Sei es Zwangsimpfung mit Chips durch Bill Gates, der Ausbau von G5, die Reduzierung der Weltbevölkerung auf eine reiche Elite bis hin zum Antisemitismus und die Verstrickung der Familie Rothschild. Doch zurück zum Gros der Demonstranten: Schließlich wird hier dagegen protestiert, dass man sich in seiner Versammlungsfreiheit beschränkt fühle, obwohl die Demonstrationen genehmigt werden. Und obwohl man tatsächlich demonstriert, glaubt, dass einem dieses Recht verweigert wird. Mancher glaubt, trotzdem in einer Diktatur zu leben.

Warum? Man darf gegen die Beschränkungen der Bundesregierung demonstrieren, die Mainstream-Medien kritisieren, die angeblich nur auf die Regierung und Wissenschaftler (die mit Uni-Abschluss und nicht von Youtube) hören, Klage erheben gegen die Maßnahmen und auch vor Gericht gehört werden…  Wäre es eine Diktatur – wäre sie stümperhaft und inkonsequent.

Aber die Masken… Ja, die sind wirklich nicht schick. Und man kann sich Schöneres vorstellen, als die Maske beim Einkaufen und im ÖPNV zu tragen, aber im Vergleich dazu, maximal intensiv auf dem Bauch liegend beatmet zu werden, doch erträglich. Uns diese lästige Pflicht zuzumuten, weil man es zu beschwerlich empfindet, ein Stück Stoff für eine kurze Zeit vor der Nase und dem Mund zu tragen, ist unerträglich. Ist eine unnötig getragene Maske nicht doch leichter zu verkraften als der Tod eines Menschen?

Leider gibt es für eine Pandemie mit einem unbekannten Erreger keine Blaupause. So zwingt dieses Virus die politischen Verantwortlichen auf neue Erkenntnisse schnell zu reagieren. Dabei haben sie den größtmöglichen Schutz aller im Blick zu behalten und die Möglichkeiten, die das Grundgesetz hierzu bietet, entsprechend zu nutzen. Sobald sich die Lage entspannt und wirksame Mechanismen vorhanden sind, werden auch die Einschränkungen aufgehoben. Dieser Prozess hat ja bereits begonnen und kommt Stück für Stück voran, sofern die Mehrheit weiterhin ihren gesunden Menschenverstand beibehält. Jetzt ist Vertrauen auf und in die gewählten (wieder so ein Fehler dieser Diktatur) Volksvertreter gefragt, damit sich jene besser auf ihre Aufgaben konzentrieren können.

Denn davor haben wir eine größere Angst – wird immer wieder gegen Politiker und Verwaltungen aufgehetzt (teilweise sogar mit Morddrohungen), werden sich immer weniger Menschen bereit erklären, sich für das Allgemeinwohl zu engagieren! Populistische Parteien werden immer mehr Zulauf bekommen oder der Anteil der Nichtwähler bekommt Zuwachs. Was das bedeutet sieht man in den USA und Großbritannien – sowie Ungarn und Polen, die jetzt tatsächlich nicht weit entfernt sind von einer Diktatur.

Deshalb lieber der Lust am Widerstand rational begegnen und sich über die erfreuliche und positive Entwicklung in dieser Pandemie freuen. Wir können ruhig auch ein bisschen stolz sein, dass wir diesen Weg gemeinsam so gegangen sind. Dann fällt es umso leichter, alles dafür zu tun, dass es so bleibt.

Darum haben wir als rote Frauen mit Unterstützung des SPD-Ortsvereins Überlingen ein Zeichen gesetzt: Gegen den Hass und den wieder erstarkenden Antisemitismus! Welcher einem sowohl im Internet als auch teilweise bei den Demonstrationen rund um Covid-19 begegnet. Wir haben am Samstag, den 23.05.2020 die Stolpersteine in Überlingen gereinigt und hoffen darauf, dass so mancher wieder „mit dem Kopf und mit dem Herzen“ darüber stolpern wird. 

 
 

Homepage SPD Überlingen

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