Salon Rouge - Wie systemrelevant ist man nach der Pandemie?

Veröffentlicht am 29.06.2021 in Pressemitteilungen

„Die Vertreterinnen und Vertreter der Pflege sitzen nicht in den relevanten Gremien – die Pflege ist fremdbestimmt.“

Wir alle haben das Klatschen für die Pflegekräfte im Corona-Jahr 2020 mitbekommen. Menschen gingen bundesweit auf die Balkone und applaudierten allen Helferinnen und Helfern als Dank für ihren Einsatz während der Krise und bekräftigten damit deren Systemrelevanz. Doch Applaus allein ist nicht ausreichend, wenn es um nicht angemessene Bezahlung und unzureichende Arbeitsbedingungen geht. Über das Thema „Wie systemrelevant ist man nach der Pandemie“ referierten Christoph Gresch, Hausleiter sowie Pflegedienstleiter bei der Bruderhaus Diakonie, sowie Benjamin Adelfinger von ver.di im Salon Rouge.

Benjamin Adelfinger von ver.di begann seinen Impulsvortrag mit dem ursächlichen Problem in der Gesundheitsbranche. Das Hauptproblem in den Krankenhäusern gebe es seit 2004. „Das Gesundheitssystem war bis dahin zu 90 Prozent in öffentlicher Hand. Es gab pro Patientin und Patient und pro Tag eine einheitliche Pauschale,“ so Adelfinger. Der Gesundheitsmarkt sei im Jahr 2004 für den privaten Markt geöffnet worden. Die eingeführten Fallpauschalen haben dazu geführt, dass sich Fehlanreize eingeschlichen haben. „Die Fallzahlen für teure Operationen sind gestiegen, während parallel dazu Personalstellen in den Krankenhäusern abgebaut wurden,“ erklärt der Experte. Die Pandemie habe das „Pulverfass“ angefeuert. „Das Gesundheitssystem darf nicht gewinnbringend sein. Wir müssen weg von der Privatisierung, hin zur öffentlichen Daseinsvorsorge,“ wurde Adelfinger deutlich. Um dies umzusetzen, hat er drei Forderungen. So solle die Fallpauschale abgeschafft werden, hin zu einer bedarfsorientierten Bezahlung. Weiter fordert er einen Personalbemessungsfaktor, es müssen Belastung und Versorgung im Einklang sein. Die dritte Forderung ist die volle Refinanzierung, so dürften Kosten nicht beim Träger hängen bleiben.

„Bei den großen privaten Trägern ist die Altenpflege ebenfalls ein Problem,“ ergänzt Christoph Gresch, Hausleiter sowie Pflegedienstleiter bei der Bruderhaus Diakonie. Er wird im Rückblick auf die Corona-Pandemie deutlich: „In der ersten Welle wurde applaudiert, in der zweiten Welle schon nicht mehr.“ Die Belastung in der Altenpflege sei weiterhin sehr hoch. Die Vertreterinnen und Vertreter der Pflege sitzen nicht in den relevanten Gremien, sie seien fremdbestimmt. So sei die Verdrossenheit bei den Pflegemitarbeiterinnen und -mitarbeitern riesengroß. „Pflege ist definitiv systemrelevant. Sie verhindert viele Krankheiten und begleitet bis in den Tod,“ so Gresch.

In der anschließenden Diskussionsrunde positionierte sich Werner Nuber, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion: „Wir im Gemeinderat entscheiden uns aus voller Überzeugung immer wieder aufs Neue, das Krankenhaus Friedrichshafen, den Medizin Campus Bodensee, in kommunaler Hand zu belassen.“ Er warf dabei die Frage in die Runde, ob der Personalmangel ausschließlich an der fehlenden Attraktivität oder auch am allgemeinen Fachkräftemangel liegen würde. „Es muss tatsächlich den entsprechenden Lohn für diesen verantwortungsvollen Beruf geben. Je besser die Vergütung, desto weniger haben wir einen Fachkräftemangel,“ sagte Adelfinger. Ebenso könne ein verlässlicher Dienstplan dazu führen, dass Stress und Verantwortung sinken und die Attraktivität wieder steigen könnte. „Wir haben zu wenig Mittel in der öffentlichen Daseinsvorsorge. Und das kann nur die Politik ändern,“ so der Experte. Die weitere Diskussion drehte sich um die fehlende Wertschätzung und Anerkennung der Pfleg- und Sozialberufe. Die Einführung einer Bürgerversicherung, bei der alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen, auch Selbständige und Beamtinnen und Beamten, würde eine breite Basis auf der Einnahmenseite mit sich bringen. „Die SPD ist ein Fan der Bürgerversicherung und fordert seit Jahren deren Einführung,“ nimmt Nuber Stellung.

i: Der „Salon Rouge“ ist eine Diskussionsrunde des Ortsvereins der SPD Friedrichshafen zu aktuellen Themen. Der nächste Salon Rouge findet am Dienstag, 20.07.2021 um 19 Uhr mit dem Thema "Die weiße Realität und was passiert, wenn man heraus tritt - Rassismus, kein Thema?“ statt. Unter Berücksichtigung der gültigen Hygienemaßnahmen findet er in Präsenz im Café des GPZ in der Paulinenstraße 12 in Friedrichshafen statt.

 
 

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Leon Hahn

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