Matthias Eckmann GR: 23.06.2025, Matthias Eckmann, es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Blümcke, Sehr geehrte Herren Benz, Dr. Kamm, Gerstmann und Brandt, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Bürgerinnen und Bürger,
da Sie, Herr Gerstmann, so gerne Konfuzius zitieren beginne ich mit einer Aussage von ihm: „Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald Sorgen haben.“ Sie haben alle zusammen bereits sehr früh an die Zukunft der ZU gedacht und dafür möchte ich mich recht herzlich bedanken. Wir befinden uns heute an einem entscheidenden Punkt bezüglich der Zukunft der Zeppelin Universität. Die ZU hat seit ihrer Gründung im Jahr 2003 wesentlich zur Attraktivität, Innovationskraft und kulturellen Vielfalt unserer Stadt beigetragen. Gleichzeitig steht die Universität aktuell vor einer finanziellen Herausforderung. Die jüngste Absage eines strategischen Partners verdeutlicht die Dringlichkeit einer gesicherten finanziellen Basis.
Historisch betrachtet steht Friedrichshafen durch die Zeppelin-Tradition für herausragende Forschung und bahnbrechende Innovationen. Wissenschaft und Forschung haben schon zu Zeiten des Luftschiffbaus die Entwicklung unserer Stadt maßgeblich geprägt und dafür gesorgt, dass sich die Industrie hier ansiedelte, von der wir heute noch profitieren. Diesen Innovationsgeist gilt es, auch durch die Zeppelin Universität, weiter zu stärken und langfristig zu sichern.
Wir begrüßen ausdrücklich die erfolgte Reakkreditierung durch den Wissenschaftsrat im Januar 2025, die eindrucksvoll bestätigt, dass die Qualität der universitären Lehre und Forschung auf höchstem Niveau steht. Es ist nun Aufgabe der Stadt Friedrichshafen und der Zeppelin-Stiftung, diese herausragende Qualität durch eine stabile und langfristige Finanzierung sicherzustellen.
Um dies zu gewährleisten, unterstützen wir die Fortsetzung einer verbindlichen Grundfinanzierung in Höhe von mindestens 7 Millionen Euro jährlich. Diese 7 Millionen Euro waren seit jeher ein fester Teil der Grundfinanzierung und können bei einem Wissenschaftsbetrieb, wie einer Universität wohl auch nicht entfallen. Doch ist der Stiftungszweck hier sehr eindeutig: Paragraf 2, 2 bzw 2A: „Zweck der Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Er wird insbesondere verwirklicht durch die Einrichtung von Stiftungslehrstühlen an Hochschulen sowie die Förderung der im Stadtgebiet ansässigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen.“
Ein Teil der zukünftigen Entwicklung der ZU sollte in einer gezielten Verschlankung und Präzisierung ihres Studienangebots bestehen. Der neue Masterstudiengang Public Management ist beispielgebend dafür, wie gezielt auf lokale und regionale Bedarfe eingegangen werden kann. Wir plädieren für eine weitere Stärkung solcher Programme, die eine enge Zusammenarbeit mit Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Politik ermöglichen und so unmittelbaren Nutzen für die Region generieren. Wir wissen auch, dass hier noch weitere Potenziale gehoben werden können und um ehrlich zu sein, der finanzielle Druck zwingt die ZU nun auch kreative Lösungen zu finden. Wir hoffen das dies mit dem neuen und erfahrenen Geschäftsführer Thomas Brandt gelingen kann. Erste Anzeichen dafür sehen wir bereits und sind daher zuversichtlich – auch wenn das sicher nicht leicht wird und auch mit Schmerzen und harten Entscheidungen verbunden sein wird.
Darüber hinaus sollte die ZU ihre Rolle als zentrale Akteurin im städtischen Leben konsequent ausbauen. Erfolgreiche Kooperationen, wie etwa die Verbindung mit lokalen Unternehmen oder die Kulturkooperation „Seekult“, „Lange Nacht der Musik“ oder „der Raum“ zeigen das immense Potenzial einer engeren Vernetzung zwischen Universität, Wirtschaft, Politik und Kulturszene auf. Solche Formate sollten nicht Ausnahme, sondern feste Bestandteile des städtischen Jahreskalenders werden.
Klar muss uns allen daher sein und unsere Fraktion setzt sich dafür ein: Eine sichere, stabile und langfristige Grundfinanzierung der ZU durch verbindliche Vereinbarungen zwischen Stadt und Zeppelin-Stiftung muss nun kommen und sollte auch über mehrere Jahre hinaus Bestand haben.
Eine verstärkte Förderung strategisch relevanter und lokal verankerter Studienangebote, Forschungsfelder und weiterer Kooperationen von Initiativen und Projekten ist sinnvoll und dringend angeraten. Und gleichzeitig muss die ZU nun alles in ihrer Macht stehende tun um weitere Kosten einzusparen und weitere Einsparpotenziale zu heben. (ich habe als Politik-Studi wenig in wirtschaftswissenschaftlichen Vorlesungen verbracht aber eines habe ich doch auch gelernt: Geld hat man zu haben.) In diesem Sinne wünsche ich gleichzeitig, dass weitere externe Förder:innen die ZU kennenlernen und für Zuwendungen bereit sind, sowie dass die starke Forschungsleistung der Wissenschaftler:innen weiterhin floriert.
Außerdem wünschen wir eine baldige neue Präsidentschaft und steigende Studi-Zahlen.
Die Zeppelin Universität ist nicht nur Bildungseinrichtung, sondern Teil der Identität und Zukunft Friedrichshafens. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese wichtige Institution gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgeht und weiterhin als innovativer Leuchtturm wirken kann.
Denn wir alle wissen in Friedrichshafen und mal ganz frei nach Graf von Zeppelin: Man muss nur wollen, daran glauben, (und ein wenig Geld ausgeben), dann wird es gelingen.
Herzlichen Dank