Fraktionserklärung zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen

Veröffentlicht am 11.08.2020 in Pressemitteilungen

Vielen Dank Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

die Fraktion SPD/ Linke sieht in dem Begleitprogramm des Beschlussantrages, vor allem was die unter Punkt 8.1 bis 8.5. des Maßnahmenpakets aufgeführten

Unterstützungsmaßnahmen zur individuellen Wohnbefähigung betrifft, viel Positives. Die Entwicklung dieser Befähigungen ist ein Baustein zur gelingenden  Integration, fördert ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und erleichtert es    Wohnungsgebern den Schritt zur Vermietung an Mitmenschen, die sich in einer Anschlussmaßnahme oder aus der Obdachlosigkeit heraus, befinden.

Trotz allem überwiegt bei unserer Fraktion heute die Traurigkeit und Enttäuschung darüber, dass wir mit der heutigen Abstimmung den Weg des Anspruches einer konsequenten dezentralen Unterbringung von Obdachlosen und Geflüchteten nach Beendigung des Asylverfahrens aufgeben. Der heutige Kompromiss beinhaltet nämlich auch, dass sich geflüchtete Mitmenschen bei geregeltem Aufenthalt und oftmaliger Bleibeperspektive in großeinheitlichen Unterkünften wiederfinden werden.

Spätestens wenn wir auf den Beschlussantragspunkt 2.e.1, die geplante Reaktivierung der Ailingerstraße 10 schauen: In einem Gebäude, das so baufällig ist, dass vor Kurzem uns noch allen klar war, dass nur ein Abriss angemessen sein kann, sollen nach (provisorischer) Renovierung bis zu 50 Bewohner untergebracht werden. Wir können davon ausgehen, dass wir hier ein Hotspot an Problemlagen bekommen werden. Einschlägige Erfahrungen mit einer ähnlich gelagerte Unterbringungsform haben wir ja bereits in der Notunterkunft in der Keplerstraße 7 - die wir als Hotspot möglicher gesellschaftsunverträglicher Vorkommnisse nur begrenzt bekommen aufgrund  sehr intensiver sozialpädagogischer Begleitung, sowie regelmäßigen ordnungsrechtlichen Flankierungen.

Die Unterbringungen in solchen Wohneinheiten wie Ailingerstraße 10 sind Teil des Kompromisses, dass die SWG zukünftig jährlich bis zu 15 Wohnungen (das entspricht etwa 30% der jährlich fluktuierenden Wohnungen der SWG) der Stadt für Anschlussunterzubringende und Obdachlose zur Verfügung stellt. Bis zu 15 Wohnungen durch die SWG ist unseres Erachtens der Kompromiss, wie bereits mehrfach erwähnt, wurden bisher alle frei werdenden Wohnungen der Stadt angeboten. Variante 2.c.b bis zu 10 Wohnungen würden ein Kompromiss vom Kompromiss bedeuten und damit noch mehr zentrale Unterbringungseinheiten mit sich bringen. Einen solchen Kompromiss vom Kompromiss lehnen wir deshalb klar ab.

Die heutige Abstimmung bedeutet unseres Erachtens eine Zäsur. Ob wir das so benennen wollen oder nicht, wir laufen mit dem heutigen Beschluss Gefahr, den erfolgreichen Friedrichshafener Weg zu verlassen. Den sehr erfolgreichen Friedrichshafener Weg. In Friedrichshafen ist bei der Integration von geflüchteten Schutzsuchenden etwas gelungen, was als vorbildhaft gilt und ich berufe mich hier auf unseren Sozial- und Integrationsminister Lucha, der dies bei der in Friedrichshafen stattgefundenen Konferenz mit seinen Länderkollegen und -kolleginnen ausdrücklich betont hat. Wer Minister Lucha kennt, der weiß wie viel ihm gelingende Integration bedeutet, wieviel er diesbezüglich vom Fach versteht und auch wie gut er Friedrichshafen aufgrund seines langjährigen beruflichen Wirkens kennt. Seine Worte können also durchaus als fundierte Anerkennung bewertet werden.

Es lohnt sich meines Erachtens deshalb, einmal darauf zu schauen, was denn das Erfolgsrezept dieses Weges ist. Ich möchte auch deshalb (nachforschend) darauf schauen, weil wir möglicherweise diesen Erfolg bei der Integration geflüchteter Menschen als zu selbstverständlich betrachtet haben, uns zu wenig klar gemacht haben, was alles an Leistung dahinter steht, damit Integration gelingen kann.Vielleicht haben wir es versäumt, stolz auf diesen Weg zu sein, und für diesen Friedrichshafener Weg offensiv-engagiert einzutreten.

Ich möchte vier Faktoren benennen, die zu dem bisherigen Gelingen beigetragen haben, wissend dass es natürlich viel mehrere Faktoren gibt:

1. unsere Bürgerinnen und Bürger! Wir haben in Friedrichshafen eine Kultur der Offenheit und Aufgeschlossenheit für Neues und Neue. Wenn wir bedenken, dass die Einwohnerzahl Friedrichshafens in den letzten 120 Jahren um das siebenfache gewachsen ist, dann wissen wir, warum die Integration von Zugezogenen hier zu einem identitätsstiftenden Merkmal geworden ist. Ob es die Arbeiter aus Baden vor 100 Jahren, nach dem Krieg Flüchtlinge aus den Ostgebieten, später Gastarbeiter aus Südeuropa, dann aus der Türkei, Russlanddeutsche in den 1990er Jahren oder nun Schutzsuchende aus Syrien oder Afghanistan, die Bürgerinnen und Bürger Friedrichshafens haben es immer als selbstverständliche  Herausforderung angenommen, diesen Neuankömmlingen einen Platz in ihrer Stadt und in ihrem Herzen zu geben. Die Neubürger und -bürgerinnen haben sich damit schnell selbst als Häfler identifizieren können.

2. ein verantwortungsbewusster  Gemeinderat und eine aktiv handelnde und gestaltende Stadtverwaltung, insbesondere unsere Verwaltungsspitze. Hier beziehe ich ausdrücklich auch den Bodenseekreis mit ein. Ich erinnere gerne an den Satz unseres Landrates Herrn Wölfle Anfang 2016: wer soll es denn schaffen, wenn nicht wir.

3. ein florierender Arbeitsmarkt, der es möglich macht, recht schnell Perspektiven für einen eigenständigen Lebensaufbau zu entwickeln.

4. der Anspruch einer konsequente Unterbringung in kleinen Wohneinheiten, die möglichst dezentral im Stadtgebiet verteilt sein sollen. So wird ein Miteinander von Beginn an gefördert, Ausgrenzungstendenzen werden entgegen gewirkt.

Ich habe gesagt, dass die Fraktion SPD/Linke heute traurig über den Beschluss ist, weil wir diese 4. Säule, eine entscheidende Säule für eine gelingende Integration, aufweichen.

Dieses Aufweichen war ein Kompromiss - erarbeitet und erdiskutiert in den letzten Monaten. Wir hätten sehr gerne den Gemeinderatsbeschluss von 2014 beibehalten, gerne bereichert durch die nun zu beschließenden ergänzenden Maßnahmen. Schweren Herzens können wir dem Kompromiss mit jährlich bis zu 15 SWG-Wohnungen, ohne dies zeitlich befristet zu wissen, zustimmen. Die Fraktion SPD/ Linke wird deshalb geschlossen für Punkt 2.c.a und 2.d.a stimmen.

Zum Schluss meiner Erklärung noch drei (zusätzliche) Punkte:

1. Den geplanten Umbau der Notunterkunft der Keplerstraße 7, Punkt 3.b des Beschlussantrags  wird von uns sehr begrüßt. Die Unterbringung in Einzelzimmer und die Ertüchtigung des Sanitärbereiches in kleinere Einheiten ist absolut notwendig, weil nur so eine Entspannung der Gesamtsituation unter den Bewohnern erreicht werden kann.

2. Ebenfalls begrüßen und unterstützen wir alle geplanten planerischen und baulichen Maßnahmen, die unter 2.e und 2.f aufgeführt sind.

3. Zu 2.g: Wir unterstützen werthaltiges Bauen, nur das ergibt unseres Erachtens Sinn. Mit Massiv- und Modulbauweisen sind andersweitige Nach- oder Weiternutzungen gewährleistet. Diese gilt es deshalb zu favorisieren. Container-

Lösungen wollen wir nicht.

Der Stadtverwaltung danken wir ausdrücklich - sie hat es geschafft, aus einer

äußerst verfahrenen Situation unter Einbeziehung von uns allen- einen Vorschlag zu unterbreiten, der uns nun, trotz der von mir geäußerten  massiven Bedenken, nach vorne schauen lassen kann!

Vielen Dank!

 
 

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